Besuch im Nationalpark Bayerischer Wald

vom 03.06.23 bis zum 10.06.23

Anfang Juni fand ein Besuch im Nationalpark Bayerischer Wald und eine Begegnung mit Günter Sellmayer statt. Günter war 25 Jahre als Ranger im Nationalpark unterwegs. Seit etwa 2 Jahren ist er auf Grund einer Erbkrankheit auf einen Rollstuhl angewiesen. Er gilt als Pionier für barrierearmes Wandern im Nationalpark Bayerischer Wald und initiierte den Bau der beiden barrierearmen Erlebniswege ‚Großer Filz‘ und ‚Seebach‘. Seine Leidenschaft für die urwüchsige, wilde Natur des Nationalparks konnte ich bei zwei gemeinsamen Touren spüren. Nach Anmeldung begleitet Günter als Rollstuhl-Guide  Interessierte auf ’seinen‘ Strecken. Dafür hat er extrem geländegängige Elektrorollstühle der australischen Firma Sunrise Medical angeschafft. Diese transportiert er mit seinem Autoanhänger und bringt sie kurzerhand zum Treffpunkt mit.

Günter Sellmayer (rechts) und Martin Fischer unterwegs auf einem der barrierefrei angelegten Wanderwegen

Bei dem barrierearm, leichten Erlebnisweg ‚Libelle‘ (Großer Filz/Klosterfilz) handelt es sich um einen, ca. 1,6 km langen, Rundweg. Ein bestehender Wanderweg wurde behutsam an die Bedürfnisse von Mobilitätseingeschränkten angepasst: keine nennenswerten Steigungen, mit Feingranulatoberfläche, ohne Hindernisse und Seitenneigung und mit einer barrierefrei zugänglichen Aussichtsplattform mit tollem Blick über die Hochmoorlandschaft ‚Großer Filz/Klosterfilz‘. Die Schautafeln sind so gestaltet, dass Menschen mit einer Sehbehinderung Informationen ertasten können.Der Erlebnisweg ‚Seebach‘ ist ein, etwa 1,3 km langer, ebenfalls barrierearm, leichter  Wanderweg entlang eines Bergbaches. Er bietet grandiose Einblicke in die Waldwildnis aus umgestürzten Bäumen (Originalton Günter: Chaos im Verhau), die Borkenkäfer und Biber geschaffen haben.

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Eine weitere Besonderheit ist die barrierefreie Infrastruktur, mit der beide Strecken ausgestattet sind: barrierefreie Bushaltestellen entlang der ‚Diensthüttenstraße‘ erlauben eine Anfahrt mit dem ‚Igelbus‘, Rollstuhlfahrerparkplätze, eine Rollstuhlfahrertoilette und unterfahrbare Tische an den Rastplätzen beider WegstreckenAus dem Online-Wanderführer des Nationalparks Bayerischer Wald lassen sich acht  Wanderwege, die in die Kategorie ‚barrierearm, leicht‘ fallen, herausfiltern. Sie ermöglichen es, Menschen mit Mobilitätseinschränkungen, die Natur im Nationalpark selbstständig zu erleben. Ein toller Schritt hin zu mehr Teilhabe und Inklusion!

Da die Nutzergruppe der Mobilitätseingeschränkten jedoch im Bezug auf Anspruch, körperliche Voraussetzungen, Hilfsmitteltechnik, etc. sehr heterogen ist, wäre es  wünschenswert, ebenfalls Wanderwege, die in die Kategorien ‚barrierearm, mittel‘ und ‚barrierearm, schwer‘ in den Online-Wanderführer aufzunehmen. Darüber hinaus sind mobilitätseingeschränkte Nutzer auf sehr detaillierte Wegbeschreibungen mit Parametern, wie Maximalsteigung, Hindernisse im Streckenverlauf, Streckenabschnitte mit Seitenneigung, etc. angewiesen. Diese sollten zusätzlich an die Wegbeschreibungen im Online-Wanderführer des Nationalparks angehängt werden.

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