Neusiedler See

15.06.23 bis 22.06.23

Apetlon, eine Marktgemeinde mit ca. 1700 Einwohnern, liegt im Osten des Neusiedler Sees in der Region Seewinkel im Burgenland, Österreich. Sie diente als Standort für die Erkundung des Nationalparks Neusiedler See – Seewinkel und des Welterbe Naturparks Neusiedler See – Leithagebirge. Die Ferienwohnung auf dem Weinbauernhof von Sepp und Sabine Kracher stellte sich als perfektes Urlaubsdomizil heraus, das alle Erwartungen hinsichtlich des Themas Barrierefreiheit erfüllte.

Die Morphologie rund um den größten Steppensee Europas sorgt dafür, dass es keine Steigungen gibt. Perfekte Bedingungen für ausgedehnte Fahrradtouren, für die man nicht unbedingt einen Elektroantrieb braucht. Lediglich am Westufer des von der UNESCO 2001 als Welterbe geadelten Natur- und Kulturjuwels, zwischen Mörbisch, Rust und Neusiedl am See radelt man durch flache Rebhänge oder am Fuß des sanft hügeligen Leithagebirges entlang.  

Foto: Barrierefreies Wandern

Die 125 km lange Umrundung des nur maximal 1,50 m tiefen Gewässers auf dem Neusiedler-See-Radweg (B10) lässt sich von ambitionierten Handbikern an einem Tag schaffen. Die Fahrradinfrastruktur mit ihrer hervorragenden Ausschilderung, schattigen Rastplätzen (teilweise mit Trinkwasser), Werkzeugstationen usw. ist exzellent. Die Etappenlänge lässt sich jedoch auch verkürzen, indem man etwa die barrierefrei erreichbare Fähre von Illmitz nach Mörbisch nutzt. Dann fährt man die etwa 50 km der ‚Südschleife‘, die größtenteils durch Ungarn verläuft. Der Grenzübertritt ist problemlos möglich. Bei der ‚Nordschleife‘ biegt man in Mörbisch, von der Fähre kommend, in Richtung Rust ab und fährt dann im Uhrzeigersinn über Purbach, Neusiedl und Podersdorf zurück nach Illmitz.

Foto: Barrierefreies Wandern; Radweg zwischen dem Neusiedler See und Illmitz
Foto: Barrierefreies Wandern; Barrierefreier Beobachtungsstand

Der Lackenradweg (B20) mit seinen 52 km stellt eine hervorragende Möglichkeit dar, in die Natur des Nationalparks Neusiedler See-Seewinkels einzutauchen. Auf asphaltierten und teils geschotterten Wegen geht es vorbei an Hutweiden, Feuchtwiesen und Lacken. In und an den flachen und salzhaltigen Gewässern, die teilweise völlig austrocknen, können mehr als 300 Vogelarten beobachtet werden. Mobilitätseingeschränkte können sich von barrierefrei erreichbaren Beobachtungsständen einen Überblick verschaffen.

Zusammen mit vielen anderen Themenradweg weist das Gebiet ein Radwegenetz von insgesamt ca. 1000 km auf.

Besuch im Nationalpark Bayerischer Wald

vom 03.06.23 bis zum 10.06.23

Anfang Juni fand ein Besuch im Nationalpark Bayerischer Wald und eine Begegnung mit Günter Sellmayer statt. Günter war 25 Jahre als Ranger im Nationalpark unterwegs. Seit etwa 2 Jahren ist er auf Grund einer Erbkrankheit auf einen Rollstuhl angewiesen. Er gilt als Pionier für barrierearmes Wandern im Nationalpark Bayerischer Wald und initiierte den Bau der beiden barrierearmen Erlebniswege ‚Großer Filz‘ und ‚Seebach‘. Seine Leidenschaft für die urwüchsige, wilde Natur des Nationalparks konnte ich bei zwei gemeinsamen Touren spüren. Nach Anmeldung begleitet Günter als Rollstuhl-Guide  Interessierte auf ’seinen‘ Strecken. Dafür hat er extrem geländegängige Elektrorollstühle der australischen Firma Sunrise Medical angeschafft. Diese transportiert er mit seinem Autoanhänger und bringt sie kurzerhand zum Treffpunkt mit.

Günter Sellmayer (rechts) und Martin Fischer unterwegs auf einem der barrierefrei angelegten Wanderwegen

Bei dem barrierearm, leichten Erlebnisweg ‚Libelle‘ (Großer Filz/Klosterfilz) handelt es sich um einen, ca. 1,6 km langen, Rundweg. Ein bestehender Wanderweg wurde behutsam an die Bedürfnisse von Mobilitätseingeschränkten angepasst: keine nennenswerten Steigungen, mit Feingranulatoberfläche, ohne Hindernisse und Seitenneigung und mit einer barrierefrei zugänglichen Aussichtsplattform mit tollem Blick über die Hochmoorlandschaft ‚Großer Filz/Klosterfilz‘. Die Schautafeln sind so gestaltet, dass Menschen mit einer Sehbehinderung Informationen ertasten können.Der Erlebnisweg ‚Seebach‘ ist ein, etwa 1,3 km langer, ebenfalls barrierearm, leichter  Wanderweg entlang eines Bergbaches. Er bietet grandiose Einblicke in die Waldwildnis aus umgestürzten Bäumen (Originalton Günter: Chaos im Verhau), die Borkenkäfer und Biber geschaffen haben.

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Eine weitere Besonderheit ist die barrierefreie Infrastruktur, mit der beide Strecken ausgestattet sind: barrierefreie Bushaltestellen entlang der ‚Diensthüttenstraße‘ erlauben eine Anfahrt mit dem ‚Igelbus‘, Rollstuhlfahrerparkplätze, eine Rollstuhlfahrertoilette und unterfahrbare Tische an den Rastplätzen beider WegstreckenAus dem Online-Wanderführer des Nationalparks Bayerischer Wald lassen sich acht  Wanderwege, die in die Kategorie ‚barrierearm, leicht‘ fallen, herausfiltern. Sie ermöglichen es, Menschen mit Mobilitätseinschränkungen, die Natur im Nationalpark selbstständig zu erleben. Ein toller Schritt hin zu mehr Teilhabe und Inklusion!

Da die Nutzergruppe der Mobilitätseingeschränkten jedoch im Bezug auf Anspruch, körperliche Voraussetzungen, Hilfsmitteltechnik, etc. sehr heterogen ist, wäre es  wünschenswert, ebenfalls Wanderwege, die in die Kategorien ‚barrierearm, mittel‘ und ‚barrierearm, schwer‘ in den Online-Wanderführer aufzunehmen. Darüber hinaus sind mobilitätseingeschränkte Nutzer auf sehr detaillierte Wegbeschreibungen mit Parametern, wie Maximalsteigung, Hindernisse im Streckenverlauf, Streckenabschnitte mit Seitenneigung, etc. angewiesen. Diese sollten zusätzlich an die Wegbeschreibungen im Online-Wanderführer des Nationalparks angehängt werden.

Büro für Barrierefreies Wandern im Förderprogramm ‚Generation Nachbarschaft – soziale Räume gemeinsam gestalten‘ des Wetteraukreises

Aus den Händen der 1. Kreisbeigeordneten Stephanie Becker-Bösch nahmen Karoline Fischer und Martin Fischer am Dienstag, den 9. Mai im Rahmen einer Feierstunde in der Sampo-Halle in Echzell-Bingenheim die Urkunde entgegen.

Das geförderte Projekt ‚Einfach wandern – leichte Touren in der Wetterau‘ steht für insgesamt 5 barrierearme, von Martin Fischer geführte Wandertouren für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen.  Die Tourenmerkmale wie Streckenlänge, Maximalsteigung, Beschaffenheit des Untergrundes, etc. sind so gewählt, dass Rollstuhlfahrer, Menschen mit einer Gehbehinderung, Prothesenträger, Senioren, Familien mit Kinderwagen, usw. daran teilnehmen können.

Wir erweitern unser Netzwerk

Ab dem kommenden Jahr arbeiten wir mit „Barrierefrei Erleben“ zusammen. Hier auf der Website finden Sie dann auch Beiträge rund um das Thema Reiseziele für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen.

„Barrierefrei Erleben“ stellt sich vor:

Wo gibt es Wanderwege, die mit Rollstuhl und Kinderwagen befahrbar sind? In welchen Hotels ist Barrierefreiheit Standard? Und welche Städte und Museen bieten Führungen für Menschen mit Einschränkungen an? Das Team um „Barrierefrei Erleben“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese Fragen in den Fokus zu rücken, den Blick auf das zu richten, was alles möglich ist. Im Magazin Barrierefrei Erleben sowie auf dem dazugehörigen Portal werden Destinationen aus nahezu allen Bundesländern vorgestellt. Es wird eine Vielzahl von interessanten Reise- und Ausflugszielen präsentiert.

Reiseziel: Grado

Ein perfektes, barrierearmes Reiseziel am äußersten Zipfel des Golfs von Venedig: Grado

Zwischen dem 9. September und dem 16. September verbrachte ich einen späten Sommerurlaub in Grado/Italien. Die Kleinstadt, in der circa 8000 Gradesi leben, liegt auf der sogenannten Goldinsel zwischen der Lagune von Grado und der Adria. Der Aufenthalt sollte den gemütlichen Abschluss einer zweiwöchigen Reise mit mehreren Stationen werden.  Dabei stand auch die Befahrung des Alpe-Adria-Radweges zwischen Tarvisio und Gemona auf dem Programm.

Schon bei der Buchung der Unterkunft fiel mir auf, dass barrierefreie Hotels und barrierefreie Ferienwohnungen im Portfolio diverser Vermittlungsagenturen ihren Platz gefunden hatten. Auf Nachfrage gab es dann genaue Informationen zu den einzelnen Unterkünften hinsichtlich Stufen, Bad, Dusche, Aufzug, und so weiter. Genau zutreffend, wie sich beim Betreten der von mir gebuchten, barrierearmen Ferienwohnung am Rande der Altstadt herausstellte.

Eine Reihe von positiven Überraschungen werden folgen: der herrliche, circa 8 km lange Lungomare zwischen den Stränden und der Altstadt, beziehungsweise der Gartenstadt bis hinaus nach Grado Pineta stellte sich als perfekter, ebener und hindernisfreier Promenadenweg dar, der problemlos mit dem Rollstuhl auch ohne Zuggerät oder Begleitperson befahrbar ist.

Mehrere Strände, wie etwa der Spiaggia Costa Azzurra und der Spiaggia principale verfügen über Betonwege, die bis fast ans 26° warme, blaue Mare Adriatico führen. Viele Strandabschnitte haben außerdem S(tr)androllstühle mit sehr breiten Reifen, mit denen man sich vom Personal, das die Strandabschnitte betreut, bis ins Wasser fahren lassen kann.
(Foto: Marion Fischer)

Abgesenkte Bordsteinkanten oder Zufahrtsrampen findet man überall wo nötig, um einen entspannten Bummel durch das ehemalige Fischerdorf, das als Perle unter den Badeorten in Friaul-Julisch Venetien gilt, zu unternehmen.

Restaurants, Pizzerien Trattorien, Bars, und so weiter besitzen in der Regel stufenlos erreichbare Terrassen und zum großen Teil auch ebensolche Innenräume, manche ebenfalls mit Rollstuhlfahrertoiletten. Stadt- oder Einkaufsbummlern, die vielleicht keinen Espresso oder Aperol-Sprizz trinken möchten, können diese nutzen.

Ein entspanntes Gefühl verursachte die Tatsache, dass hier die Rollstuhlfahrer, genauso wie die vielen Fahrradfahrer, die Familien mit Kinderwagen oder die Rollatornutzer wie selbstverständlich zum Straßenbild gehören.
(Foto: Marion Fischer)