Auch das Trierer Umland hat für Handbike-Fahrer viel zu bieten
Im Bereich des erweiterten Stadtgebiets Triers münden vier Flüsse in die Mosel: aus der Eifel die Sauer und die Kyll und aus dem Süden die Saar und die Ruwer.
Alle Mosel-Nebenflüsse verfügen über tolle Radwege, die hervorragend ausgeschildert und mit dem Handbike problemlos zu bewältigen sind. Jeder Flussradweg verfügt über seinen eigenen Charme. Die Steilhänge der relativ engen Flusstäler von Saar und Ruwer sind mit Weinreben bepflanzt und bieten eine Vielzahl von romantischen kleinen Ortschaften.
Weinreben im Ruwer Tal (Foto: Martin Fischer)Kanzem im Saartal (Foto: Martin Fischer)
Der 48 km lange Ruwer-Radweg www.ruwer-radweg.de verläuft auf einer ehemaligen Bahntrasse und verbindet das Moseltal mit den Höhen des Hunsrücks. Der Saarradweg ist 115 km lang und fast eben. Er verläuft auf beiden Seiten der Saar. Hier ist die Stadt Saarburg mit ihrer romantischen Altstadt und dem Wasserfall des Leukerbachs inmitten der Stadt hervorzuheben.
Der Sauertal-Radweg verläuft mit seinen 60 km entlang des Deutsch-Luxemburgischen Grenzflusses Sauer. Er verbindet Ettelbrück mit Wasserbillig an der Mosel und verläuft überwiegend auf asphaltierten Wegen mit geringen Steigungen.
Der Kyll-Radweg verläuft mit seinen 123 km teilweise auf stillgelegten Bahnstrecken durch die herb-romantische Eifel. Sein leicht welliges Steckenprofil macht ihn für Handbiker etwas anspruchsvoller.
Auf der Website von TourismusRegion Wetterau gibts einen Flyer mit Wanderideen in der Wetterau zum Download. Dort sind auch barrierearme Wanderwege beschrieben.
Der Spessart liegt als Naherholungsgebiet vor den Toren der Rhein-Main-Region und ist eingerahmt von Main, Kinzig und Sinn. Er ist eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete in der Mitte Deutschlands und erstreckt sich in den beiden Bundesländern Hessen und Bayern. Die 85 Kilometer lange Landesgrenze ist für den Besucher kaum zu erkennen.
Über Landesgrenzen hinweg: Der Naturpark Spessart liegt in Hessen und in Bayern. (Bild: OpenStreetMap Deutschland)
Der Naturpark Hessischer Spessart wurde 1963 gegründet und dehnt sich über mehr als 94.000 Hektar aus. Davon sind rund 60 Prozent bewaldet, vorrangig mit Eichen und Buchen. Der Hessische Spessart bietet die ideale Lebensgrundlage für viele bedrohte Tierarten wie zum Beispiel den Biber, der sich dort seit einigen Jahren wieder angesiedelt hat oder auch die Wildkatze.
Viele markierte Wanderwege führen die Besucher durch das größte Laubwaldgebiet Deutschlands. Ein touristisches Highlight ist der Premiumwanderweg „Spessartbogen“, der auf einer Strecke von fast 90 Kilometern von Langenselbold bis Schlüchtern führt. Ergänzt wird der Wandergenuss von Extratouren, den „Spessartfährten“ sowie den Spazierwanderwegen, den „Spessartspuren“.
Spessartspuren
Spazierwandern lautet das Stichwort. Also noch nicht wandern aber länger unterwegs sein als beim Spazierengehen. Jede der insgesamt 40 Spessartspuren eignet sich perfekt dazu. Sie sind als Rundwanderweg konzipiert, das heißt Start- und Zielpunkt sind gleich.
Spazierwanderer legen fast immer weniger als 10 km zurück und müssen nicht mehr als 250 Höhenmeter überwinden. Die Spessartspuren sind über den kompletten Hessischen Spessart verteilt. Spazierwanderer können auf ihnen die ganze Vielfalt und Schönheit der Naturlandschaften entdecken und erleben.
Wanderschild Spessartspuren (R. Raab)
Kooperation mit Barrierefreies Wandern
Im Frühjahr 2022 entstand die Idee, die existierenden 40 Spessartspuren hinsichtlich des Grades der Barrierefreiheit zu überprüfen. Ziel dabei war es, herauszufinden, ob einige der Spessartspuren für Menschen mit einer Mobiltätseinschränkung, d. h. Rollstuhlfahrer, Menschen mit einer Gehbehinderung, Rollator-Nutzer, Handbiker, Senioren, Familien mit Kinderwagen, etc. begehbar, befahrbar oder berollbar sind.
Nach einer Vorauswahl hinsichtlich Streckenlänge und Höhendifferenz, blieben 13 Spessartspuren übrig, die nun genau von mir begutachtet werden sollten. Dazu befuhr ich alle 13 mit dem Handbike. Die für Mobilitätseingeschränkte relevanten Faktoren, wie Weglänge und -beschaffenheit, Maximalsteigung, Seitneigung, Hindernisse, etc. wurden protokolliert und in den Streckenbeschreibungen genau dokumentiert.
Nun wurden die geeigneten Spessartspuren mit dem, von mir entwickelten Bewertungsschema, als barrierearm leicht, – mittel und – schwer klassifiziert. Und schließlich für jede der barrierearmen Spessartspuren eine Empfehlung abgegeben, für wen genau sie geeignet sind. Falls es Streckenabschnitte gab, die nicht barrierearm waren, wurde nach Alternativstrecken gesucht. Diese wurden dann ebenfalls genau beschrieben und ihr Verlauf mittels GPS-Track aufgezeichnet.
Ein besonderer Moment der Kooperation war auf jeden Fall ein Treffen am 12. Mai 2022 mit Fritz Dänner, Annika Ludwig und Frau Harnischfeger vom Naturpark Hessischer Spessart, sowie Robert Ruppel vom Förderverein Naturpark Hessischer Spessart. Bei einer gemeinsamen Wanderung in Lettgenbrunn auf der Spessartspur 21 fand ein Erfahrungsaustausch mit vielen anregenden Gesprächen statt.
Ausblick
Um die barrierearmen Spessartspuren für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen nutzbar zu machen, müssen die gesammelten Informationen in die Welt. Der Naturpark Hessische Spessart verfügt nun über die nötigen Informationen. Diese sollten interessierten Nutzern zugänglich gemacht werden.
Unterwegs zwischen Rüdesheim und Lorchhausen auf Deutschlands teuerstem Radweg entlang der B42
Eine Fahrt mit dem Handbike auf dem, im Juli 2023 nach 17 Jahren Bauzeit fertig gestellten Radweg ist ein besonderes Erlebnis. Das liegt daran, dass der gut elf Kilometer lange und 2,5 m breite Rad- und Gehweg ohne nennenswerte Steigungen oder Hindernisse auf sehr gut berollbaren Beton- oder Asphalt verläuft. Er erschließt einen Teil der spektakulären Landschaft des UNESCO Welterbes Oberes Mittelrheintales, die für viele als das schönste Stück des gesamten Rheins zwischen den Alpen und der Nordsee gilt. Das ca. 130 km lange, canyonartige Durchbruchstal durch das Rheinische Schiefergebirge ist seit dem 19. Jahrhundert der Inbegriff der Rheinromantik. Zahlreiche Höhenburgen, andere Baudenkmäler, Weinberge und die vielen verwinkelten alten Dörfer und Städte auf dem schmalen Uferstreifen lassen einen aus dem Staunen nicht mehr herauskommen.
Rheingau-Radweg mit Höhenburg (Foto: Barrierefreies Wandern)
Bedingt durch die Enge des rechtsrheinischen Ufersaums, auf dem neben der B42 ebenfalls eine Bahntrasse entlang führt, verläuft die Radstrecke größtenteils auf sog. Kragarmen. Das sind einseitig gelagerte Balken, die das Gewicht des Radweges tragen. Man fährt also über weite Strecken direkt oberhalb des Flusses und ist durch eine Schutzplanke von der Bundesstraße getrennt. Zum Rhein hin übernimmt dies ein Geländer. Leider ist es so hoch, dass Handbiker oder kleine Menschen im Rollstuhl nicht darüber blicken können. Hier fehlen ‚Fenster‘ aus transparentem Material, die eine freie Sicht auf den Fluss und das gegenüber liegende Ufer ermöglichen. Wünschenswert wären außerdem breitere Haltebuchten in regelmäßigen Abständen, mit einer entsprechenden ‚Möblierung‘ in Form von Bänken und unterfahrbaren Tischen für eine kurze Pause oder eine längere Rast. Hinweistafeln auf Sehenswürdigkeiten oder Streckeninformationen (Rollstuhlfahrertoiletten, Gastronomie, Reparaturmöglichkeiten, etc.) fehlen völlig.
Ausblick versperrt (Foto: Barrierefreies Wandern)
Die Anbindung an das Radwegenetz am rechten Rheinufer innerhalb Rüdesheims lässt ebenfalls Wünsche offen. Von der Hindenburgallee kommend überquert man am Rüdesheimer Adlerturm die Bahngleise und befindet sich mitten im Verkehr auf der stark befahrenen B42 (Rheinstraße). Ein Ausweichen auf den Gehweg, der entlang der Rheinstraße verläuft ist wegen der Masse an Menschen, die sich dort bewegen, oft nicht möglich. Nach dem erneuten Überqueren der Gleise in Höhe des Rüdesheimer Bahnhofs fährt man ca. 500 m mitten im Verkehr auf der B42. Erst dann geht es auf dem Radweg weiter. Eine Lösung hierzu befindet sich derzeit in Planung. Der Baubeginn ist für 2024 vorgesehen. Ein provisorischer Radweg auf einem Abstellgleis der Deutschen Bahn soll den Lückenschluss ermöglichen. Mal sehn. In Lorchhausen endet die Ausbaustrecke und geht nahtlos in den bestehenden Radweg über, der teilweise ohne Schutzplanke entlang der Bundesstraße verläuft.